Von Laos nach Kambodscha (4000 Islands nach Phnom Penh) – An und über Grenzen gehen.

Dies ist ein reiner Info-Eintrag um zu beschreiben, wie man mit möglichst wenig Abzockerei über die Grenze von Laos nach Kambodscha kommt.

Die einzige laotisch-kambodschanische Grenze von Veun Kahm (Laos) nach Dong Kralor (Kambodscha) ist nicht gerade die unstressigste Grenze mit den nettesten Grenzbeamten. Manche Leute sagen, dass es die korrupteste Grenze in Südostasien ist.

IMG_7068
Hier war die Welt noch in Ordnung.

Wir sind von Don Det nach Phnom Penh gefahren und auf der Insel haben wir uns mit vielen anderen Travellern unterhalten, welche sehr unsicher waren, wie sie sich vorbereiten und bei bestimmten Situationen reagieren sollten. Gerüchte machten die Runde, dass schon Leute mit ihrem Zeug an der Grenze stehen gelassen wurden, weil sie die erhobenen Fantasiegebühren nicht bezahlen wollten. Aber eins nach dem anderen. Hier also unsere Tipps unserer Erfahrung im März 2016 nach.

1. Vorbereitung

Bei der Einreise nach Kambodscha wird ein Visa On Arrival ausgestellt. Dieses kostet Geld, bei dem Preis dafür gibt es diverse Abweichungen. Man sollte am besten in US-Dollar zahlen. Laotische Kip werden wohl auch genommen, aber zu einem deutlich schlechteren Kurs, man kommt also teurer weg.

Pro Nase mussten wir 37 + 2 $ zahlen – 2 $ extra, weil wir kein Passfoto dabei hatten. Man sollte das Geld auf jeden Fall passend parat haben, weil die netten Grenzbeamten gerne so tun, als hätten sie kein Wechselgeld, wenn man mit größeren Scheinen zahlt.

Bonus-Info: Geld besorgen auf Don Det

Auf Don Det gibt es keine Geldautomaten, dafür muss man mit dem Fährboot auf das Festland nach Nakasong fahren. Kostet pro Weg und Nase 15.000 Kip (ca. 1,65 €). Am Wochenende haben die Banken geschlossen und füllen die Geldautomaten am Pier nicht nach, das heißt, dass die Automaten am Wochenende (insbesondere Sonntag) auch mal leer sein können.

Alternativ kann man bei manchen Guesthouses mit Kreditkarte über deren Kartenlesegerät Geld „abheben“ für eine nette Gebühr von 6 %. Theoretisch. Wir mussten an einem Sonntag Geld besorgen und hatten erst beim dritten Guesthouse Glück, da die anderen selbst nicht mehr so viel Bares hatten um es an Geldabheber rauszugeben. Beim Guesthouse Little Eden hatten wir Glück – auch wenn sie erst sagten, dass sie auch nicht genügend Kip haben, haben wir auf Nachfrage direkt Dollar bekommen.

Das Busticket muss man natürlich auch noch kaufen. Das ist bei jedem Reisebüro auf der Insel oder auch im Guesthouse möglich. Wir haben unser Ticket direkt beim Guesthouse gekauft, von Don Det bis Phnom Penh haben wir 30 $ bezahlt, inklusive Fähre nach Nakasong, welche uns direkt am Guesthouse abgeholt hat (wir haben in der Mitte der Ostküste gleich am Fluss residiert). Es läuft wie immer: Jemand vom Guesthouse ruft bei der Busgesellschaft an, gibt ein paar Daten durch und schreibt Abfahrtsort, Ziel, Datum und Uhrzeit auf ein Blanko-Ticket.

Man sollte sich auf jeden Fall im Vorfeld genug Geld besorgen, da die Grenze im Niemalsland liegt und weit und breit keine Geldautomaten zu finden sind.

IMG_7057
Solch ein Boot dient als Fähre.

2. Von Don Det zur Grenze

Die Fähre holte uns also an der Unterkunft ab und mit einer Handvoll anderer Traveller setzen wir nach Nakasong über. Am Pier angekommen bekamen wir keine weiteren Infos und gingen einfach den gleichen Weg zum Busbahnhof weiter, den wir auch bei der Ankunft zurücklegen mussten. Wir wurden auf dem Weg an einem der Reisebüros angehalten und gefragt, ob wir auf dem Weg nach Kambodscha sind und sollten unsere Tickets zeigen. Es stellte sich heraus, dass sich hier der Sammelpunkt befand und wir bekamen die typischen Arrival- und Departure-Formulare, welche wir schon einmal mit unseren Reisepassdaten ausfüllen sollten. Hier mussten wir erstmal warten. Nach ungefähr 30 Minuten wurden alle aufgerufen und machten sich gemeinsam mit einem Mitarbeiter der Reiseagentur (der brüllte „LET’S GOOOOO!!!“) auf den Weg zum Busbahnhof.

Dort hieß es dann nochmal ungefähr 30 Minuten warten, bis der Bus irgendwann ankam. Der Bus nach Phnom Penh kommt von Pakse und hält in Nakasong um weitere Passagiere aufzusammeln, die Fahrt kann sich also ein bisschen verzögern. Wir stiegen also fröhlich in den Bus ein.

IMG_20160328_100441 Kopie
So sieht der Bus aus. Recht bequem und sauber, da gibt es nichts zu meckern.

Scam Nr. 1: Visa Service

Kurz nachdem der Bus Fahrt aufgenommen hatte, stellte sich der nette Mitarbeiter der Reiseagentur in den Gang und verkündete, dass er einen Service anbieten würde, um den Grenzübergang für alle zu erleichtern. Dafür wollte er die Pässe und 40 $ pro Nase einsammeln. Es wäre nicht teurer, als bei der individuellen Grenzüberquerung, er rechnete sogar vor: Visa für 35 $, stamp fee auf laotischer Seite 2 $, auf kambodschanischer Seite 2 $ und health check 1 $. Dann sagte er uns, dass es für den ganzen Bus ungefähr 2,5 Stunden dauern würde, wenn jeder individuell über die Grenze gehen würde. Man kann es sich denken: Das ist natürlich völliger Bullshit.

Da diese Masche mittlerweile nicht unbekannt ist, lehnten ungefähr 2/3 der Passagiere diesen netten „Service“ ab. Achtung: Wir haben uns auf der Fahrt mit einem Pärchen unterhalten, welches eine Busfahrt nach Siem Reap gebucht hatte, dieser Bus fuhr etwas früher ab als unserer. Dort wurde den Passagieren vor dem Einsteigen schon gesagt, dass sie die Pässe abgeben müssen. Als die beiden sich weigerten, durften sie nicht mitfahren. Sie konnten mit ihrem Ticket dann aber mit unserem Bus fahren und mussten umsteigen. Ist das nicht eine bodenlose Frechheit?

3. Der Grenzübergang

Und hier begegnet uns auch bald:

Scam Nr. 2: Stempelgebühr („stamp fee“) bei der Ausreise aus Laos

Nach ungefähr 20 Minuten waren wir schon an der Grenze angekommen und alle, die den „Service“ nicht in Anspruch genommen hatten, musste aussteigen um selbst über die Grenze zu laufen. Wie bei allen Einreisen über Land muss man zuerst zu einem Schalter im Ausgangsland gehen um sich einen Ausreisestempel in den Pass klatschen zu lassen. An dieser Grenze wird dafür eine Fantasiegebühr erhoben, nämlich 2 $ pro Nase, welche direkt in die Taschen der korrupten Grenzbeamten wandern. Wer sich eine Reise um die Welt leisten kann, wird 2 $ noch verschmerzen können. Es ist trotzdem sehr ärgerlich, dass sich die falschen Leute unter Ausnutzung ihrer Machtposition auf diese Art und Weise bereichern.

Nichtsdestotrotz hat unsere Reisegruppe zunächst geschlossen versucht, mit den Grenzbeamten zu diskutieren um die Gebühr nicht zahlen zu müssen. Verschiedene Leute haben beteuert, dass es diese Gebühr nicht gibt, die Grenzbeamten gaben sich aber unbeeindruckt und schlossen irgendwann einfach das Fensterchen des Glaskastens, hinter dem sie saßen.

Zwischendurch kam der „nette“ Mitarbeiter der Reiseagentur vorbei, um zu gucken, was denn los sei. Selbstverständlich steckt er mit den Grenzbeamten unter einer Decke und drohte uns in einem sehr harschen Tonfall, dass er unsere Taschen aus dem Bus schmeißt und uns an der Grenze stehen lässt, wenn wir in 20 Minuten nicht durch sind. Dabei wurde er ziemlich ausfallend, und als jemand sagte, dass wir für das Ticket bezahlt haben und er das nicht bringen kann bloß „I don’t care!“ und fuhr erstmal mit seinem Motorbike weg. Danke für nichts, du Penner.
Mitreisende haben übrigens erzählt, dass Bekannte von ihnen tatsächlich an der Grenze stehen gelassen wurden, weil sie sich geweigert hatten die Gebühr zu zahlen. So viel dazu.

Zähneknirschend zahlten wir also alle die 2 $, bekamen unseren Stempel und gingen selbstverständlich bestens gelaunt durch die laotischen Station nach Kambodscha.

Scam Nr. 3: Gesundheitscheck

Wenn man nach der laotischen Station zur kambodschanischen Bude geht, befindet sich auf der linken Seite ein Pavillon mit einem Tischchen und verschiedenen Aufstellern mit Informationen zur „Gesundheitsgefahren“ bei der Einreise. Ein paar Leute, welche als medizinisches Personal verkleidet sind, versuchen die Leute ins Zelt zu rufen. Dort machen sie dann einen „Gesundheitscheck“ mit einer Art Temperaturmesspistolen, von denen ich stark bezweifle, dass sie tatsächlich funktionieren. Für diesen Spaß wollen sie dann 1 $ haben und man bekommt einen gelben Zettel.

Überraschung: Diesen gelben Zettel will natürlich niemand sehen. Man sollte die Rufe also einfach ignorieren oder nett „No, thanks!“ antworten und vorbeimarschieren. Die Leute, die im Bus sitzen geblieben sind, weil sie den Visa-Service in Anspruch genommen haben, mussten den Check übrigens auch nicht machen. Surprise.

Scam Nr. 4: Überteuertes Visa

Wenn man weiter geradeaus geht, befindet sich auf der rechten Seite die kambodschanische Stempelbude. Vorher muss man aber noch zur Visabude, welche rechts hinter der Stempelbude ist und die man zunächst gar nicht sehen kann, weil sie im Blickfeld von der ersten Bude verdeckt wird. Super Logik!

An der Visabude bekommt man also sein Visa. Dafür muss man die vorher ausgefüllte Application Form (diese haben wir in Don Det vor Abfahrt ausgehändigt bekommen) und nach Möglichkeit ein Passfoto abgeben. Hat man keins, muss man 2 $ extra zahlen.

Das kambodschanische Visa On Arrival kostet 30 $. Eigentlich. Hier werden einfach aus Jux und Dollerei 35 $ verlangt, an wen die zusätzlichen 5 $ gehen kann man sich ja denken. Wir haben im Vorfeld gehört, dass dieser Betrag nicht verhandelbar ist und haben – wie die meisten – die 35 $ bezahlt. Ein Mädel aus unserer Gruppe hat es tatsächlich geschafft den Preis auf 32 $ runterzuhandeln. Andere Leute haben es auch versucht, aber keine Chance. Keine Ahnung was das Mädel richtig gemacht hat, aber als Tipp: Man sollte es zumindest mal probieren.

Der letzte Schritt: Einstempeln in Kambodscha an der speziell hierfür eingerichteten Station. Hier muss man ebenfalls eine Arrival-Card ausfüllen und mit seinem Pass und dem mittlerweile dort eingeklebten Visa abgeben. Man bekommt einen Stempel (auf eine Seite im Pass, wo noch Platz ist, nicht auf dem Visa selbst) und darf dann offiziell in Kambodscha einreisen.

IMG_20160415_114832 Kopie
Das langersehnte Visa.

Überraschung: Hier gibt es keine Stempelgebühr oder sonstige Bestechungsgelder. Wow. Der aufmerksame Leser merkt nun: Der Typ von der Reiseagentur, welcher die Kosten für seinen Service aufgeschlüsselt hat, hat schlicht und einfach gelogen.

4. Die Weiterreise

Als alle Passagiere fertig waren, mussten wir dann noch ungefähr eine halbe Stunde warten (keine Ahnung worauf), bis der Bus sich wieder in Bewegung setzte. So viel also zu der Eile, mit der wir unter Druck gesetzt wurden.

Beim Warten begegneten wir übrigens der unfreundlichsten Geldeintreiberin für „Toiletten“, die ich je in meinem Leben erlebt habe. Eine garstige alte Frau, die sich nach Ankunft des Busses vor den Bretterverschlag stellte, den man nur mit sehr viel gutem Willen als Toilette bezeichnen konnte. Sie wollte einfach mal so für die Benutzung Geld haben, und als wir für dieses Drecksloch ihre Fantasiegebühr nicht zahlen wollten, stellte sie sich noch dichter an die Tür und machte verscheuchende Gesten voller Verachtung und schimpfte in die Gegend. Es hätte nur noch gefehlt, dass sie uns vor die Füße spuckt. Aus Rache pinkelten wir kollektiv in die Botanik hinter der Bude. Als der Bus wieder abfuhr, verließ sie ihren Platz und schlich davon. Von Putzen oder sonstigem natürlich keine Rede. So viel zu ihrem „Job“.

Die Weiterfahrt barg keine weiteren Zwischenfälle. Irgendwann gab es den obligatorischen Stopp an einer „Raststätte“ zum Mittagessen und nach einer Gesamtreisezeit von 12 Stunden kamen wir in Phnom Penh an.

Dort trafen wir am Busbahnhof den nettesten und ehrlichsten Tuktuk-Fahrer der Welt: Es er fragte, ob wir schon ein Guesthouse hätten, wir bejahten. Er fragte welches, wir antworteten und sagten, wir wollten dorthin laufen. Und er so: „Oh, yes, it is not so far, you can walk.“ Dieser Satz wurde wahrscheinlich zum ersten Mal seit Anbeginn der Zeiten von einem Tuktuk-Fahrer ausgesprochen und ich war erstmal baff.

Noch ein paar Worte zu der Grenze: Es ist sehr schade, dass dieser Grenzübergang vielen Reisenden so einen schlechten ersten Eindruck von Kambodscha vermittelt. Man weiß ganz genau, dass man verarscht wird und die Grenzbeamten wissen ebenfalls, dass man das weiß, nutzen ihre Machtposition trotzdem schamlos aus. Trotz einer guten Portion Galgenhumor und einer ermutigenden Solidarität unter den Passagieren ist die Einreise nach Kambodscha von großem Ärger geprägt. Man kommt an und hat erstmal schlechte Laune. Von diesem Eindruck sollte man sich nicht täuschen lassen, da die große Mehrheit der Leute in Kambodscha, mit denen wir zu tun hatten, wirklich ausgesprochen freundlich und hilfsbereit war.

Deswegen: Gelassen bleiben, innerlich den Mittelfinger zeigen und Augen zu und durch.

Advertisements