Von Laos nach Kambodscha (4000 Islands nach Phnom Penh) – An und über Grenzen gehen.

Dies ist ein reiner Info-Eintrag um zu beschreiben, wie man mit möglichst wenig Abzockerei über die Grenze von Laos nach Kambodscha kommt.

Die einzige laotisch-kambodschanische Grenze von Veun Kahm (Laos) nach Dong Kralor (Kambodscha) ist nicht gerade die unstressigste Grenze mit den nettesten Grenzbeamten. Manche Leute sagen, dass es die korrupteste Grenze in Südostasien ist.

IMG_7068
Hier war die Welt noch in Ordnung.

Wir sind von Don Det nach Phnom Penh gefahren und auf der Insel haben wir uns mit vielen anderen Travellern unterhalten, welche sehr unsicher waren, wie sie sich vorbereiten und bei bestimmten Situationen reagieren sollten. Gerüchte machten die Runde, dass schon Leute mit ihrem Zeug an der Grenze stehen gelassen wurden, weil sie die erhobenen Fantasiegebühren nicht bezahlen wollten. Aber eins nach dem anderen. Hier also unsere Tipps unserer Erfahrung im März 2016 nach.

1. Vorbereitung

Bei der Einreise nach Kambodscha wird ein Visa On Arrival ausgestellt. Dieses kostet Geld, bei dem Preis dafür gibt es diverse Abweichungen. Man sollte am besten in US-Dollar zahlen. Laotische Kip werden wohl auch genommen, aber zu einem deutlich schlechteren Kurs, man kommt also teurer weg.

Pro Nase mussten wir 37 + 2 $ zahlen – 2 $ extra, weil wir kein Passfoto dabei hatten. Man sollte das Geld auf jeden Fall passend parat haben, weil die netten Grenzbeamten gerne so tun, als hätten sie kein Wechselgeld, wenn man mit größeren Scheinen zahlt.

Bonus-Info: Geld besorgen auf Don Det

Auf Don Det gibt es keine Geldautomaten, dafür muss man mit dem Fährboot auf das Festland nach Nakasong fahren. Kostet pro Weg und Nase 15.000 Kip (ca. 1,65 €). Am Wochenende haben die Banken geschlossen und füllen die Geldautomaten am Pier nicht nach, das heißt, dass die Automaten am Wochenende (insbesondere Sonntag) auch mal leer sein können.

Alternativ kann man bei manchen Guesthouses mit Kreditkarte über deren Kartenlesegerät Geld „abheben“ für eine nette Gebühr von 6 %. Theoretisch. Wir mussten an einem Sonntag Geld besorgen und hatten erst beim dritten Guesthouse Glück, da die anderen selbst nicht mehr so viel Bares hatten um es an Geldabheber rauszugeben. Beim Guesthouse Little Eden hatten wir Glück – auch wenn sie erst sagten, dass sie auch nicht genügend Kip haben, haben wir auf Nachfrage direkt Dollar bekommen.

Das Busticket muss man natürlich auch noch kaufen. Das ist bei jedem Reisebüro auf der Insel oder auch im Guesthouse möglich. Wir haben unser Ticket direkt beim Guesthouse gekauft, von Don Det bis Phnom Penh haben wir 30 $ bezahlt, inklusive Fähre nach Nakasong, welche uns direkt am Guesthouse abgeholt hat (wir haben in der Mitte der Ostküste gleich am Fluss residiert). Es läuft wie immer: Jemand vom Guesthouse ruft bei der Busgesellschaft an, gibt ein paar Daten durch und schreibt Abfahrtsort, Ziel, Datum und Uhrzeit auf ein Blanko-Ticket.

Man sollte sich auf jeden Fall im Vorfeld genug Geld besorgen, da die Grenze im Niemalsland liegt und weit und breit keine Geldautomaten zu finden sind.

IMG_7057
Solch ein Boot dient als Fähre.

2. Von Don Det zur Grenze

Die Fähre holte uns also an der Unterkunft ab und mit einer Handvoll anderer Traveller setzen wir nach Nakasong über. Am Pier angekommen bekamen wir keine weiteren Infos und gingen einfach den gleichen Weg zum Busbahnhof weiter, den wir auch bei der Ankunft zurücklegen mussten. Wir wurden auf dem Weg an einem der Reisebüros angehalten und gefragt, ob wir auf dem Weg nach Kambodscha sind und sollten unsere Tickets zeigen. Es stellte sich heraus, dass sich hier der Sammelpunkt befand und wir bekamen die typischen Arrival- und Departure-Formulare, welche wir schon einmal mit unseren Reisepassdaten ausfüllen sollten. Hier mussten wir erstmal warten. Nach ungefähr 30 Minuten wurden alle aufgerufen und machten sich gemeinsam mit einem Mitarbeiter der Reiseagentur (der brüllte „LET’S GOOOOO!!!“) auf den Weg zum Busbahnhof.

Dort hieß es dann nochmal ungefähr 30 Minuten warten, bis der Bus irgendwann ankam. Der Bus nach Phnom Penh kommt von Pakse und hält in Nakasong um weitere Passagiere aufzusammeln, die Fahrt kann sich also ein bisschen verzögern. Wir stiegen also fröhlich in den Bus ein.

IMG_20160328_100441 Kopie
So sieht der Bus aus. Recht bequem und sauber, da gibt es nichts zu meckern.

Scam Nr. 1: Visa Service

Kurz nachdem der Bus Fahrt aufgenommen hatte, stellte sich der nette Mitarbeiter der Reiseagentur in den Gang und verkündete, dass er einen Service anbieten würde, um den Grenzübergang für alle zu erleichtern. Dafür wollte er die Pässe und 40 $ pro Nase einsammeln. Es wäre nicht teurer, als bei der individuellen Grenzüberquerung, er rechnete sogar vor: Visa für 35 $, stamp fee auf laotischer Seite 2 $, auf kambodschanischer Seite 2 $ und health check 1 $. Dann sagte er uns, dass es für den ganzen Bus ungefähr 2,5 Stunden dauern würde, wenn jeder individuell über die Grenze gehen würde. Man kann es sich denken: Das ist natürlich völliger Bullshit.

Da diese Masche mittlerweile nicht unbekannt ist, lehnten ungefähr 2/3 der Passagiere diesen netten „Service“ ab. Achtung: Wir haben uns auf der Fahrt mit einem Pärchen unterhalten, welches eine Busfahrt nach Siem Reap gebucht hatte, dieser Bus fuhr etwas früher ab als unserer. Dort wurde den Passagieren vor dem Einsteigen schon gesagt, dass sie die Pässe abgeben müssen. Als die beiden sich weigerten, durften sie nicht mitfahren. Sie konnten mit ihrem Ticket dann aber mit unserem Bus fahren und mussten umsteigen. Ist das nicht eine bodenlose Frechheit?

3. Der Grenzübergang

Und hier begegnet uns auch bald:

Scam Nr. 2: Stempelgebühr („stamp fee“) bei der Ausreise aus Laos

Nach ungefähr 20 Minuten waren wir schon an der Grenze angekommen und alle, die den „Service“ nicht in Anspruch genommen hatten, musste aussteigen um selbst über die Grenze zu laufen. Wie bei allen Einreisen über Land muss man zuerst zu einem Schalter im Ausgangsland gehen um sich einen Ausreisestempel in den Pass klatschen zu lassen. An dieser Grenze wird dafür eine Fantasiegebühr erhoben, nämlich 2 $ pro Nase, welche direkt in die Taschen der korrupten Grenzbeamten wandern. Wer sich eine Reise um die Welt leisten kann, wird 2 $ noch verschmerzen können. Es ist trotzdem sehr ärgerlich, dass sich die falschen Leute unter Ausnutzung ihrer Machtposition auf diese Art und Weise bereichern.

Nichtsdestotrotz hat unsere Reisegruppe zunächst geschlossen versucht, mit den Grenzbeamten zu diskutieren um die Gebühr nicht zahlen zu müssen. Verschiedene Leute haben beteuert, dass es diese Gebühr nicht gibt, die Grenzbeamten gaben sich aber unbeeindruckt und schlossen irgendwann einfach das Fensterchen des Glaskastens, hinter dem sie saßen.

Zwischendurch kam der „nette“ Mitarbeiter der Reiseagentur vorbei, um zu gucken, was denn los sei. Selbstverständlich steckt er mit den Grenzbeamten unter einer Decke und drohte uns in einem sehr harschen Tonfall, dass er unsere Taschen aus dem Bus schmeißt und uns an der Grenze stehen lässt, wenn wir in 20 Minuten nicht durch sind. Dabei wurde er ziemlich ausfallend, und als jemand sagte, dass wir für das Ticket bezahlt haben und er das nicht bringen kann bloß „I don’t care!“ und fuhr erstmal mit seinem Motorbike weg. Danke für nichts, du Penner.
Mitreisende haben übrigens erzählt, dass Bekannte von ihnen tatsächlich an der Grenze stehen gelassen wurden, weil sie sich geweigert hatten die Gebühr zu zahlen. So viel dazu.

Zähneknirschend zahlten wir also alle die 2 $, bekamen unseren Stempel und gingen selbstverständlich bestens gelaunt durch die laotischen Station nach Kambodscha.

Scam Nr. 3: Gesundheitscheck

Wenn man nach der laotischen Station zur kambodschanischen Bude geht, befindet sich auf der linken Seite ein Pavillon mit einem Tischchen und verschiedenen Aufstellern mit Informationen zur „Gesundheitsgefahren“ bei der Einreise. Ein paar Leute, welche als medizinisches Personal verkleidet sind, versuchen die Leute ins Zelt zu rufen. Dort machen sie dann einen „Gesundheitscheck“ mit einer Art Temperaturmesspistolen, von denen ich stark bezweifle, dass sie tatsächlich funktionieren. Für diesen Spaß wollen sie dann 1 $ haben und man bekommt einen gelben Zettel.

Überraschung: Diesen gelben Zettel will natürlich niemand sehen. Man sollte die Rufe also einfach ignorieren oder nett „No, thanks!“ antworten und vorbeimarschieren. Die Leute, die im Bus sitzen geblieben sind, weil sie den Visa-Service in Anspruch genommen haben, mussten den Check übrigens auch nicht machen. Surprise.

Scam Nr. 4: Überteuertes Visa

Wenn man weiter geradeaus geht, befindet sich auf der rechten Seite die kambodschanische Stempelbude. Vorher muss man aber noch zur Visabude, welche rechts hinter der Stempelbude ist und die man zunächst gar nicht sehen kann, weil sie im Blickfeld von der ersten Bude verdeckt wird. Super Logik!

An der Visabude bekommt man also sein Visa. Dafür muss man die vorher ausgefüllte Application Form (diese haben wir in Don Det vor Abfahrt ausgehändigt bekommen) und nach Möglichkeit ein Passfoto abgeben. Hat man keins, muss man 2 $ extra zahlen.

Das kambodschanische Visa On Arrival kostet 30 $. Eigentlich. Hier werden einfach aus Jux und Dollerei 35 $ verlangt, an wen die zusätzlichen 5 $ gehen kann man sich ja denken. Wir haben im Vorfeld gehört, dass dieser Betrag nicht verhandelbar ist und haben – wie die meisten – die 35 $ bezahlt. Ein Mädel aus unserer Gruppe hat es tatsächlich geschafft den Preis auf 32 $ runterzuhandeln. Andere Leute haben es auch versucht, aber keine Chance. Keine Ahnung was das Mädel richtig gemacht hat, aber als Tipp: Man sollte es zumindest mal probieren.

Der letzte Schritt: Einstempeln in Kambodscha an der speziell hierfür eingerichteten Station. Hier muss man ebenfalls eine Arrival-Card ausfüllen und mit seinem Pass und dem mittlerweile dort eingeklebten Visa abgeben. Man bekommt einen Stempel (auf eine Seite im Pass, wo noch Platz ist, nicht auf dem Visa selbst) und darf dann offiziell in Kambodscha einreisen.

IMG_20160415_114832 Kopie
Das langersehnte Visa.

Überraschung: Hier gibt es keine Stempelgebühr oder sonstige Bestechungsgelder. Wow. Der aufmerksame Leser merkt nun: Der Typ von der Reiseagentur, welcher die Kosten für seinen Service aufgeschlüsselt hat, hat schlicht und einfach gelogen.

4. Die Weiterreise

Als alle Passagiere fertig waren, mussten wir dann noch ungefähr eine halbe Stunde warten (keine Ahnung worauf), bis der Bus sich wieder in Bewegung setzte. So viel also zu der Eile, mit der wir unter Druck gesetzt wurden.

Beim Warten begegneten wir übrigens der unfreundlichsten Geldeintreiberin für „Toiletten“, die ich je in meinem Leben erlebt habe. Eine garstige alte Frau, die sich nach Ankunft des Busses vor den Bretterverschlag stellte, den man nur mit sehr viel gutem Willen als Toilette bezeichnen konnte. Sie wollte einfach mal so für die Benutzung Geld haben, und als wir für dieses Drecksloch ihre Fantasiegebühr nicht zahlen wollten, stellte sie sich noch dichter an die Tür und machte verscheuchende Gesten voller Verachtung und schimpfte in die Gegend. Es hätte nur noch gefehlt, dass sie uns vor die Füße spuckt. Aus Rache pinkelten wir kollektiv in die Botanik hinter der Bude. Als der Bus wieder abfuhr, verließ sie ihren Platz und schlich davon. Von Putzen oder sonstigem natürlich keine Rede. So viel zu ihrem „Job“.

Die Weiterfahrt barg keine weiteren Zwischenfälle. Irgendwann gab es den obligatorischen Stopp an einer „Raststätte“ zum Mittagessen und nach einer Gesamtreisezeit von 12 Stunden kamen wir in Phnom Penh an.

Dort trafen wir am Busbahnhof den nettesten und ehrlichsten Tuktuk-Fahrer der Welt: Es er fragte, ob wir schon ein Guesthouse hätten, wir bejahten. Er fragte welches, wir antworteten und sagten, wir wollten dorthin laufen. Und er so: „Oh, yes, it is not so far, you can walk.“ Dieser Satz wurde wahrscheinlich zum ersten Mal seit Anbeginn der Zeiten von einem Tuktuk-Fahrer ausgesprochen und ich war erstmal baff.

Noch ein paar Worte zu der Grenze: Es ist sehr schade, dass dieser Grenzübergang vielen Reisenden so einen schlechten ersten Eindruck von Kambodscha vermittelt. Man weiß ganz genau, dass man verarscht wird und die Grenzbeamten wissen ebenfalls, dass man das weiß, nutzen ihre Machtposition trotzdem schamlos aus. Trotz einer guten Portion Galgenhumor und einer ermutigenden Solidarität unter den Passagieren ist die Einreise nach Kambodscha von großem Ärger geprägt. Man kommt an und hat erstmal schlechte Laune. Von diesem Eindruck sollte man sich nicht täuschen lassen, da die große Mehrheit der Leute in Kambodscha, mit denen wir zu tun hatten, wirklich ausgesprochen freundlich und hilfsbereit war.

Deswegen: Gelassen bleiben, innerlich den Mittelfinger zeigen und Augen zu und durch.

Advertisements

Been there, Don Det. – Teil 2

Der Abend beginnt mit einer Dusche und einer pflegenden Mahlzeit im temporären Heim. Lennart und ich wollen eigentlich unsere müden Knochen ausruhen, da schreiben uns die Berliner Mädels, welche ebenfalls auf Don Det residieren: „Geht Ihr zur Tempelparty?“ Worum genau es geht wissen sie auch nicht, alle gehen zur Tempelparty.

Wir fragen Lutz was denn die Tempelparty sei. „Na, Tempelparty halt.“ Alle gehen zur Tempelparty, auch alle seine Mitarbeiter und die ganze Familie. Okay, Tempelparty, anscheinend müssen wir dort hin.

Wir laufen also durch die Dunkelheit zum einzigen Tempel der Insel. Beinahe sofort, als wir den Bungalow verlassen, dröhnt uns aus der Ferne laute laotische Musik aus einer kratzigen Anlage entgegen. Der Weg zum Eingang ist mit hunderten Motorrollern gepflastert, bunte Lichter sind zu sehen. Tatsächlich, alle gehen zur Tempelparty! Am Eingang treffen wir die Girls aus Berlin und sind erstmal etwas überwältigt. Tempelparty ist ein wenig wie Festival, es gibt zwei Bühnen und eine Fress- und Amüsiermeile.

Auf dem Tempelgelände selbst befindet sich eine große Bühne, auf dem traditionell laotisch gesungen, getanzt und eine Art Theaterstück aufgeführt wird.

IMG_20160324_214006
Schlechtes Handyfoto Nr. 1.

Vor der Bühne sitzen hunderte Menschen auf dem Boden und schauen zu. Als das Lied vorbei ist, fange ich laut an zu klatschen. Ich werde angestarrt – sonst klatscht keiner. Das macht man wohl nicht hier und ich fühle mich ein bisschen blamiert.

Wir gehen weiter zur anderen Bühne, welche sich außerhalb der Tempelmauern auf einer großen Wiese befindet. Für deutsche Festivalkenner bietet sich hier ein ungewohntes Bild: Vor der Bühne ist eine mit trockenen Grashalmen ausgelegte Tanzfläche, dahinter befinden sich auf der Wiese unzählige Plastiktisch und -stühle, an denen eine Menge Laoten sitzen und Bier trinken. Auf der Bühne ersetzt ein einzelner Typ eine ganze Band mit seinem Keyboard und einer großen Portion Enthusiasmus, dazu erzählt zwischendurch ein andere Witze oder jemand singt. Zu jedem neuen Lied stürmen junge Laoten auf die Tanzfläche, tanzen ein wenig, wenn das Lied zu Ende ist, rennen alle von der Tanzfläche weg. Nach jedem Stück sieht die Tanzfläche wieder wie verlassen aus und keiner klatscht. An den Tischen dahinter trinken die Leute unendlich viel Bier.

IMG_20160324_233246
Schlechtes Handyfoto Nr. 2 inklusive Lennart auf dem Dancefloor.

Beim Schwingen des Tanzbeines trifft Lennart auf einen Laoten, der bei unserer Kanufahrt als Guide dabei war. Die Wiedersehensfreude ist groß, Lennart und er legen eine heiße Sohle auf’s Parkett. Anschließend werden wir an seinen Tisch gezerrt, an dem seine Freunde sitzen und auf dem jede Menge Bier steht. Wir erfahren, dass das Fest nur einmal im Jahr stattfindet und ein Riesenereignis auf der Insel ist. Was für ein Glück!

Ungefähr so geht der Abend dann weiter. Zwischendurch blamieren Lennart und ich uns noch beim Luftballon-Dart, indem keiner von uns auch nur einen Ballon trifft (es geht darum Luftballons zum Platzen zu bringen und dabei Quatsch zu gewinnen). Wir sehen zu, wie ein kleines Mädchen eine riesige Hello Kitty aus Plüsch gewinnt und laufen beschämt weg.
Die Stimmung auf der Tanzfläche wird immer ausgelassener, immer mehr Menschen kommen und tanzen, ein paar stürmen sogar die Bühne. Als Lennart und ich irgendwann den Kanutypen nicht mehr finden und genug haben, gehen wir nach Hause. Seine Freunde raten uns an morgens wiederzukommen. Sie würden dann noch immer da sein.

Am nächsten Tag lernen wir in unserem Guesthouse dann noch mehr prima Menschen kennen, ein astreines Pärchen aus Hamburg und einen Supertypen aus Berlin. Und weil die Sympathie groß und die Feierwut der Laoten ungebrochen ist, gehen wir am Tag darauf wieder zu einem Tempelfest. Dieses findet jedoch tagsüber statt und geht etwas gesitteter zur Sache.

Wir wissen nicht warum, aber eine Menge Leute laufen um das Hauptgebäude der Tempelanlage herum, manche tragen Boxen mit laut plärrender laotischer Musik drumrum, andere Sträuße mit zu opferndem Geld.

IMG_20160326_161238
Wer hat noch nie davon geträumt auf einer Sänfte herumgetragen zu werden?
IMG_20160326_170053
Kinder, Hunde, alles.
IMG_20160326_170104
Das sieht ganz schön viel aus, geschätzt hängen umgerechnet 3 € an diesem Strauß.
IMG_20160326_170239
Tempelfest = Spaß

Das Spektakel nimmt kein Ende, irgendwann wandern wir zur Brücke nach Don Khon und schauen uns von dort den Sonnenuntergang an.

IMG_20160326_183852
Sorry, Sonne verpasst.

Was kann man am Mekong sonst noch so machen? Richtig, Boot fahren! Unser prima Gastgeber organisiert am nächsten Nachmittag für unsere Gang eine kleine Bootsfahrt mit einem weiteren Sonnenuntergang, Abholung direkt am Guesthouse und eine Styroporbox mit Bier und Eis inklusive. Am letzten Abend muss man etwas Schönes machen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Ein unter dem Gewicht der Box semi-fröhlicher Mensch.
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Wertvolle Fracht an Bord.

Wir schippern gemütlich den Mekong entlang und schauen uns Häuser und Menschen an den Ufern der vielen Inseln und die wunderbare Natur an.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Ungefähr so sieht unser Boot aus, nur besser in Schuss.
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Deshalb 4000 Inseln. So was zählt auch.
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Applaus für die Natur.
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Gemütliches Gleiten.

Zwischendurch müssen wir auch mal tanken, das macht man natürlich auch auf dem Wasser. Ein findiger junger Mann unterhält seine kleine Tankbude am Ufer seiner Insel.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Er weiß, wie man Geschäfte macht.
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Wasserbüffel! Die laufen übrigens auch die ganze Zeit bei uns vor der Tür rum.
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Kleine Gemüsegärten der Locals.
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Der Typ hofft auf einen dicken Mekongfisch.
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Sarah macht ein Foto.
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Zwei fröhliche und ein konzentrierter Mensch.

Unser findiger junger Bootsmann bringt uns gegen Ende der Tour noch zu einer einsamen Sandbank, von welcher aus wir den Mekong sogar beschwimmen können.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Diese Sonnenuntergänge sind wirklich nicht unfotogen.
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Blick aus Wasser.
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Ein fröhlicher Mensch im Wasser und Sonnenuntergang.
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Fröhliche Matrosen und unser Boot.

Nach dem letzten Abendmahl gehen wir auch hier mit Wehmutsgedanken schlafen. Don Det, es war wunderschön, entspannt, aktiv, gesellig und ein wenig durchgepeitscht. Einen besseren Abschluss unserer Tour durch Laos kann man gar nicht finden. Am nächsten Morgen werden wir direkt vor der Tür mit dem Boot abgeholt und zum Festland gebracht. Ab nach Kambodscha!

Been there, Don Det. – Teil 1

Nach einem kurzen Intermezzo verlassen wir Pakse Richtung Süden zum 4000 Inseln genannten Mekong-Gebiet an der Grenze zu Kambodscha. Wobei 4000 Inseln schon etwas größenwahnsinnig formuliert ist, manche „Insel“ ist ein winziges aus dem Wasser ragendes Landstück mit einem einzelnen Strauch drauf.

Eine richtige Insel ist allerdings das zauberhafte Don Det, klein, entspannt und voller netter Menschen. Wir landen auf Empfehlung in einem wunderbaren Guesthouse mit nur 7 Bungalows in der Mitte der Ostküste, mit zwei Hängematten auf der Veranda und Blick zum Fluss. Der deutsche Besitzer ist ein fantastischer Typ und seine Frau und ihre Schwester kochen das beste Essen auf der Insel. Ab und zu kommt eine Wasserbüffelfamilie vorbei, kleine Hühnchen rennen durch die Gegend und veranstalten Hüpfwettbewerbe und ab und zu tuckert ein kleines Fährboot den Fluss entlang. Bitte, wie kann das Leben besser sein?

Trotz der ganzen harten Chillerei gibt es auf Don Det viele tolle Dinge zu tun. Die Insel hat einen Umfang von ungefähr 7 km und auch die Nachbarinsel Don Khon ist nicht riesig, man kann sich ein klappriges und viel zu kleines Fahrrad mieten und beide Inseln beradeln. Da es keine Autos und nur ein paar wenige Roller dort gibt, ist das eigentlich auch eine entspannte Angelegenheit… bis auf die fehlenden Bremsen und daraus resultierenden Situationen. Nach ungefähr einer halben Stunde reißt es mich dann auch vom Bike, als ich auf einem abschüssigen Weg vom Sattel, als ich einer dornigen Grube ausweichen will. Knie aufgeschürft, Loch in der Leggings, aber egal, das Abenteuer muss weiter gehen (davon abgesehen, dass im Umkreis von 3 Kilometern auf Don Khon nur Gestrüpp zu finden ist und uns eh keiner helfen kann).

Bald können wir absteigen und einen bereits etwas ausgetrockneten Wasserfall und eine kleine Felsenlandschaft zu Fuß erkunden.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Panorama und Entdeckergefühle.
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Auch dieser reißende Fluss muss unter Einsatz unseres Lebens überquert werden.

Wie überall in Südostasien, wo Menschen vorbei kommen, gibt es auch hier eine kleine Gelegenheit für ein kühles Getränk, anschließend machen wir uns freudig auf den weiteren Weg. Wir befinden uns jetzt ganz im Süden von Laos, nur einen Steinwurf von Kambodscha entfernt.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
In Laos stehen, nach Kambodscha gucken.

Als wir weiterfahren ist einem der übermutigen Abenteurer nach etwas Schabernack zumute und bei einem gefährlichen Stunt (= aus dem Sattel Aufstehen) hält das kleine laotische Fahrrad den hünenhaften Lennart nicht aus und kracht nach vorne. Ergebnis:

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Man merke an: Die Kamera befindet sich wieder in der Hand. Ein ernstzunehmender Fotograf kennt keinen Schmerz.
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Oha!

In Deutschland würde man in so einer Situation vielleicht kurz weinen und schnell in den nächsten Bus steigen. Hier allerdings gibt es weder Busse, noch Tuktuks oder Motortaxis. Was machen wir also? Richtig, weiterfahren und mehr Wasserfälle anschauen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Panorama und ein unerschrockener, sehr tapferer Mensch.

Halb so schlimm, auf dem Rückweg kaufen wir eine Pulle Jodlösung und ein paar Pflaster, verarzten Lennart und chillen weiter bei Lutz.

Wo es Wasser gibt, gibt es auch eine Menge Möglichkeiten zum Wassersport. Da wir sehr sportliche Menschen sind, lassen Lennart und ich uns für den übernächsten Tag also eine Kanutour klarmachen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Ein konzentrierter Mensch auf dem Mekong.

Morgens werden wir vom Motortaxi abgeholt und zum Treffpunkt gebracht, wo sich nach und nach ungefähr 20 Leute einfinden. Das haben wir uns ein wenig kleiner und kuscheliger vorgestellt, aber egal, wir nehmen uns vor den anderen davonzufahren.

Die erste Etappe der Tour ist dann ein – wie könnte es anders sein – Wasserfall! Aber ein ziemlich cooler mit vielen Felsen und einer ordentlichen Strömung. Da ein paar findige Guides dabei sind, dürfen wir sogar schwimmen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Es klatscht und rauscht ganz schön.
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Panorama! Weiter vorne kann man ein bisschen im Wasser rumplanschen.

Zum Mittagsstopp laufen wir etwas durch den Staub, ein Typ, der keine Schuhe mit hat, weint fast wegen des heißen Sandes und schließlich rasten wir an einem Platz am Fluss mit ziemlich abgefahrenen Fischreusen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Irgendwie muss ich ein wenig an Skispringen denken.

Wir paddeln weiter durch den Mekong in Richtung Süden, wo irgendwann Kambodscha anfängt mit einem ganz besonderen Ziel: Delfine! Es leben hier tatsächlich um die 80 Flussdelfine, die man aus gebührender Entfernung und wenn man schön die Klappe hält beobachten kann. Die Kanus versammeln sich also wie von den Guides angewiesen in der Nähe des besagten Gebiets und alle hören auf zu paddeln und sind ganz leise.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Mit Überblick zur Delfinsichtung.

Und tatsächlich, ab und zu kommt eins der fröhlichen Tierchen zum Luftholen an die Oberfläche und taucht blitzschnell wieder ab. Wenn man zufällig in die richtige Richtung schaut, sieht man einen glitschigen Rücken mit Flosse in einer runden Bewegung geschmeidig aus dem und wieder ins Wasser gleiten. Wenn man in die falsche Richtung guckt, hört man nur ein „PFFT!“ und sieht die vom längst wieder untergetauchten Delfin verursachte Aufwirbelung im Wasser, wenn man dort hinschaut. Check, Mission erfüllt.

Die letzte Station ist nicht per Kanu zu erreichen, zurück an Land werden wir in einen Bus verladen und fahren zu einem – na, wer errät es? – Wasserfall! Dieser ist aber schon eine Hausnummer, nämlich der größte Wasserfall in Südostasien.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Baden ist hier eher nicht so angesagt.
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Man stelle sich ein lautes Rauschen vor.

Nach links weg ballert der Wasserfall dann noch mehrere Ebenen herab, leider reichte die Aussichtsplattform nicht dorthin und für ein Foto war selbst mein Arm nicht lang genug.

Dann noch eine letzte Etappe Ruderei. Erschöpft, mit Blasen an den Händen vom Rudern und einem trotz mehrfachen Eincremens eingefangenen Sonnenbrand kommen wir wieder auf Don Det an. Dieser Tag hat unglaublich viel Spaß gemacht und wir sind kaputt, aber glücklich.

Eigentlich wollen wir nur noch ins Bett, der Gruppenzwang treibt uns später dann doch noch weiter, Details im nächsten Teil.

Nützliches aus Katzenkot in Pakse.

Nach einer kuscheligen Nachtbusfahrt landen wir um 6 Uhr morgens mehr oder minder zermatscht mitten in Pakse. Schnell die Tuktuk-Fahrer abschütteln und zu Fuß ins Guesthouse.

In Pakse (oder auch Pakxe), einer eher verschlafend anmutenden Stadt im Süden von Laos ist nicht so richtig viel zu sehen. Dafür ist die Umgebung prima: Man kann sich ein Moped mieten (was sonst) und auf das Bolaven-Plateau fahren. Dies ist eine schicke grüne Hochebene mit ganz wundervollen und für mein Leben essentiellen Einrichtungen: Kaffeeplantagen!

Lennart und ich verabreden uns für eine Kaffeetour mit einem lustigen Exil-Holländer, der sich Mr. Koffie nennt. Mit so einem Namen muss man sich ja mit Kaffee auskennen. Zunächst müssen auf dem Weg aber natürlich ein paar Wasserfälle besucht werden.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Ein fröhlicher Mensch auf dem Weg zum Wasserfall.
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Ganz klar das oberste Credo in Südostasien!
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Neue Freunde.

Im Becken des Wasserfalls kann man sogar schwimmen, und jemand hat ein Floß bereit gestellt, auf oder von welchem aus man sich vergnügen kann. Leider haben wir keine Badesachen mit, als Mann kann Lennart sich provisorisch mit seiner Bux helfen, ich schaue leider in die Röhre. Dabei ist dieser Wasserfall tatsächlich einer der schönsten, die ich jemals sehen durfte und ist in einer waldigen, kühlen Oase bei ansonsten 40 °C eine reine Wohltat.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Hinter dem Wasserfall.
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Ein sehr guter Ort, man kann sich wahrlich nicht beschweren.

Leider müssen wir irgendwann auch wieder weg und uns mit Mr. Koffie treffen. Als wir diesen in einer Bungalow-Anlage auf dem Plateau treffen, in welcher es seine kleine Kaffeewerkstatt hat, setzt er uns erstmal kurz vor einen anderen Wasserfall zum Warten.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Ebenfalls schick. Und: Mit Regenbogen!
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Ein fröhlicher Mensch posiert am Tad Fane Wasserfall.

Als Mr. Koffie mit seinem Mittagessen und seinem Zigarettchen fertig ist (Mr. Koffie liebt nicht nur Kaffee, sondern auch das Rauchen sehr), plaudern wir ein wenig über Kaffee und bekommen auch einen hervorragenden kredenzt.

Ich frage eine Menge Dinge, die wahrscheinlich jeder fragt: Wie sollte man Kaffee am besten zubereiten? Welcher ist der beste? So was. Mr. Koffie ist da sehr sympathisch undogmatisch und seine Antwort auf fast alles lautet: Wie es einem am besten schmeckt. Außer bei der Frische, seiner Meinung nach ist Kaffee am besten, wenn man ihn frisch röstet und mahlt, egal bei welcher Zubereitungsart. Ist ja eigentlich klar, aber laut Mr. Koffie auch wirklich wichtig.

Bei der kleinen Tour laufen wir durch die Gegend, lernen alles mögliche über Kaffeesorten, ökologischen und nicht-ökologischen Anbau, wie das mit Fair Trade so klappt in Laos (nämlich gar nicht, was hier aber auch gar keinen Sinn macht, weil die Kaffeebauern im kleinen Maßstab anbauen und gar nicht so viele Mitarbeiter haben).

Kaffeebäume sehen übrigens wirklich sehr baumartig aus und verholzen mit der Zeit auch, irgendwie hatte ich mir eine Kaffeeplantage anders vorgestellt.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Rumlaufen auf der Plantage.
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Köstliche Kaffeebohnen trocknen in der Sonne.
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Gerätschaften zum Quetschen und Schälen.

Durch die ganze Rumlauferei und Schnackerei habe ich keine weiteren Fotos zu bieten, es tut mir sehr leid.

Am Ende unseres Besuchs kommen wir in den Genuss einer besonderen Spezialität, nämlich Kopi Luwak. Wer Kopi Luwak nicht kennt: Die Kaffeebohnen für diese Spezialität werden mithilfe einer bestimmten Schleichkatzenart hergestellt. Die Schleichkatze schnabuliert die Kaffeekirschen, verdaut das Fruchtfleisch, fermentiert die Kaffeebohnen an und kackt diese wieder aus. Die Ausscheidungen werden gesammelt und die Kaffeebohnen herausgeschält und dann geröstet und wie gehabt weiterverarbeitet. Kopi Luwak ist der teuerste Kaffee der Welt und eine Tasse kostet in Deutschland so um die 25 – 40 €. Hier kommen wir für schlappe 5 Taler ins Geschäft und ich muss sagen: Dieser Kaffee schmeckt wirklich grandios. Vollmundig, vielschichtig, samtig. Meine Güte, ich klinge wie ein Kaffeesnob. Kaffeefreude ist in Südostasien aber auch wirklich selten, oft wird man mit Instantbrühe abgespeist.

In der Dämmerung fahren wir wieder nach Pakse zurück, nach dem ganzen Tag auf dem Bike schmerzt der Hintern und ich freue mich darauf am nächsten Tag auf die 4000 Inseln des Mekongs zu fahren. Bzw. auf eine ganz wunderbare davon – auf nach Don Det!