Been there, Don Det. – Teil 2

Der Abend beginnt mit einer Dusche und einer pflegenden Mahlzeit im temporären Heim. Lennart und ich wollen eigentlich unsere müden Knochen ausruhen, da schreiben uns die Berliner Mädels, welche ebenfalls auf Don Det residieren: „Geht Ihr zur Tempelparty?“ Worum genau es geht wissen sie auch nicht, alle gehen zur Tempelparty.

Wir fragen Lutz was denn die Tempelparty sei. „Na, Tempelparty halt.“ Alle gehen zur Tempelparty, auch alle seine Mitarbeiter und die ganze Familie. Okay, Tempelparty, anscheinend müssen wir dort hin.

Wir laufen also durch die Dunkelheit zum einzigen Tempel der Insel. Beinahe sofort, als wir den Bungalow verlassen, dröhnt uns aus der Ferne laute laotische Musik aus einer kratzigen Anlage entgegen. Der Weg zum Eingang ist mit hunderten Motorrollern gepflastert, bunte Lichter sind zu sehen. Tatsächlich, alle gehen zur Tempelparty! Am Eingang treffen wir die Girls aus Berlin und sind erstmal etwas überwältigt. Tempelparty ist ein wenig wie Festival, es gibt zwei Bühnen und eine Fress- und Amüsiermeile.

Auf dem Tempelgelände selbst befindet sich eine große Bühne, auf dem traditionell laotisch gesungen, getanzt und eine Art Theaterstück aufgeführt wird.

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Schlechtes Handyfoto Nr. 1.

Vor der Bühne sitzen hunderte Menschen auf dem Boden und schauen zu. Als das Lied vorbei ist, fange ich laut an zu klatschen. Ich werde angestarrt – sonst klatscht keiner. Das macht man wohl nicht hier und ich fühle mich ein bisschen blamiert.

Wir gehen weiter zur anderen Bühne, welche sich außerhalb der Tempelmauern auf einer großen Wiese befindet. Für deutsche Festivalkenner bietet sich hier ein ungewohntes Bild: Vor der Bühne ist eine mit trockenen Grashalmen ausgelegte Tanzfläche, dahinter befinden sich auf der Wiese unzählige Plastiktisch und -stühle, an denen eine Menge Laoten sitzen und Bier trinken. Auf der Bühne ersetzt ein einzelner Typ eine ganze Band mit seinem Keyboard und einer großen Portion Enthusiasmus, dazu erzählt zwischendurch ein andere Witze oder jemand singt. Zu jedem neuen Lied stürmen junge Laoten auf die Tanzfläche, tanzen ein wenig, wenn das Lied zu Ende ist, rennen alle von der Tanzfläche weg. Nach jedem Stück sieht die Tanzfläche wieder wie verlassen aus und keiner klatscht. An den Tischen dahinter trinken die Leute unendlich viel Bier.

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Schlechtes Handyfoto Nr. 2 inklusive Lennart auf dem Dancefloor.

Beim Schwingen des Tanzbeines trifft Lennart auf einen Laoten, der bei unserer Kanufahrt als Guide dabei war. Die Wiedersehensfreude ist groß, Lennart und er legen eine heiße Sohle auf’s Parkett. Anschließend werden wir an seinen Tisch gezerrt, an dem seine Freunde sitzen und auf dem jede Menge Bier steht. Wir erfahren, dass das Fest nur einmal im Jahr stattfindet und ein Riesenereignis auf der Insel ist. Was für ein Glück!

Ungefähr so geht der Abend dann weiter. Zwischendurch blamieren Lennart und ich uns noch beim Luftballon-Dart, indem keiner von uns auch nur einen Ballon trifft (es geht darum Luftballons zum Platzen zu bringen und dabei Quatsch zu gewinnen). Wir sehen zu, wie ein kleines Mädchen eine riesige Hello Kitty aus Plüsch gewinnt und laufen beschämt weg.
Die Stimmung auf der Tanzfläche wird immer ausgelassener, immer mehr Menschen kommen und tanzen, ein paar stürmen sogar die Bühne. Als Lennart und ich irgendwann den Kanutypen nicht mehr finden und genug haben, gehen wir nach Hause. Seine Freunde raten uns an morgens wiederzukommen. Sie würden dann noch immer da sein.

Am nächsten Tag lernen wir in unserem Guesthouse dann noch mehr prima Menschen kennen, ein astreines Pärchen aus Hamburg und einen Supertypen aus Berlin. Und weil die Sympathie groß und die Feierwut der Laoten ungebrochen ist, gehen wir am Tag darauf wieder zu einem Tempelfest. Dieses findet jedoch tagsüber statt und geht etwas gesitteter zur Sache.

Wir wissen nicht warum, aber eine Menge Leute laufen um das Hauptgebäude der Tempelanlage herum, manche tragen Boxen mit laut plärrender laotischer Musik drumrum, andere Sträuße mit zu opferndem Geld.

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Wer hat noch nie davon geträumt auf einer Sänfte herumgetragen zu werden?
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Kinder, Hunde, alles.
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Das sieht ganz schön viel aus, geschätzt hängen umgerechnet 3 € an diesem Strauß.
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Tempelfest = Spaß

Das Spektakel nimmt kein Ende, irgendwann wandern wir zur Brücke nach Don Khon und schauen uns von dort den Sonnenuntergang an.

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Sorry, Sonne verpasst.

Was kann man am Mekong sonst noch so machen? Richtig, Boot fahren! Unser prima Gastgeber organisiert am nächsten Nachmittag für unsere Gang eine kleine Bootsfahrt mit einem weiteren Sonnenuntergang, Abholung direkt am Guesthouse und eine Styroporbox mit Bier und Eis inklusive. Am letzten Abend muss man etwas Schönes machen.

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Ein unter dem Gewicht der Box semi-fröhlicher Mensch.
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Wertvolle Fracht an Bord.

Wir schippern gemütlich den Mekong entlang und schauen uns Häuser und Menschen an den Ufern der vielen Inseln und die wunderbare Natur an.

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Ungefähr so sieht unser Boot aus, nur besser in Schuss.
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Deshalb 4000 Inseln. So was zählt auch.
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Applaus für die Natur.
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Gemütliches Gleiten.

Zwischendurch müssen wir auch mal tanken, das macht man natürlich auch auf dem Wasser. Ein findiger junger Mann unterhält seine kleine Tankbude am Ufer seiner Insel.

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Er weiß, wie man Geschäfte macht.
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Wasserbüffel! Die laufen übrigens auch die ganze Zeit bei uns vor der Tür rum.
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Kleine Gemüsegärten der Locals.
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Der Typ hofft auf einen dicken Mekongfisch.
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Sarah macht ein Foto.
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Zwei fröhliche und ein konzentrierter Mensch.

Unser findiger junger Bootsmann bringt uns gegen Ende der Tour noch zu einer einsamen Sandbank, von welcher aus wir den Mekong sogar beschwimmen können.

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Diese Sonnenuntergänge sind wirklich nicht unfotogen.
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Blick aus Wasser.
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Ein fröhlicher Mensch im Wasser und Sonnenuntergang.
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Fröhliche Matrosen und unser Boot.

Nach dem letzten Abendmahl gehen wir auch hier mit Wehmutsgedanken schlafen. Don Det, es war wunderschön, entspannt, aktiv, gesellig und ein wenig durchgepeitscht. Einen besseren Abschluss unserer Tour durch Laos kann man gar nicht finden. Am nächsten Morgen werden wir direkt vor der Tür mit dem Boot abgeholt und zum Festland gebracht. Ab nach Kambodscha!

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