Staub und Steinkrüge in Phonsavan.

In Phonsavan gibt es eigentlich nicht so richtig viel zu sehen. Es ist ein Städtchen im Nordosten von Laos und dient eher als Übergangsort für geschäftstüchtige Chinesen und Vietnamesen, welche fleißig Staudämme bauen und auch sonst ein paar Umgrabungen betreiben und hier und da die Umwelt schänden. Durch Phonsavan führt auch der Highway 7, den man sich aber nicht wie eine Autobahn in Deutschland vorstellen kann, es ist eine zweispurige „Schnell“straße, welche über weite Strecken des Landes verläuft. Wenn diese durch Dörfer oder Städtchen führt, dann gibt es keine Auffahrten oder etwas Ähnliches, die Straße zieht sich durch den Ort und links und rechts sind seelenruhig Gebäude errichtet. Ziemlich schäbig hier.

Wieso wir trotzdem hinfahren? In der Nähe ist eine der Hauptsehenswürdigkeiten von Laos, die Ebene der Krüge. Klingt mysteriös, ist es auch ein bisschen. In der Gegend liegen ca. 2000 Jahre alte, bis zu 3 m große Steinkrüge herum und keiner weiß so richtig was das soll. Legenden besagen, dass mal Riesen in der Gegend gehaust haben, also genau das Richtige für mich!

Nach 8 Stunden Busfahrt von Luang Prabang, welche das niedlichste, ca. 1-jährige laotische Zwillingspärchen und eine Menge Berge, Dörfer und Kühe auf der Straße mit sich brachte, suchen wir uns erstmal ein Guesthouse und gehen schlafen. Es ist kalt, unter 10 Grad und im Badezimmer wohnen Ameisen. Dafür haben wir die billigste Absteige der Stadt.

Am nächsten Tag besorgen wir uns mal wieder ein Motorbike von einem schmierigen Spanier, der getarnt als Italiener in einem Pizzaladen arbeitet. Es ist ziemlich staubig hier, deshalb müssen Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden.

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In diesem Aufzug sollte man vielleicht keine Bank betreten.

Lennart und ich pesen also die staubigen Pisten entlang, auf der Suche nach den wundersamen Krügen. Es gibt drei Stellen, an denen Ansammlungen zu finden sind und durch den eher dunklen Tag und die ausgedörrte Pflanzenwelt fühlt man sich ein bisschen wie in einer bewölkten Wüste. Wir werden bald fündig.

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Nach dem fröhlichen Gelage der Riesen.
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Hinter dem gruseligen Hügel geht es weiter.
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Die Autorin betreibt Schabernack.

In der Gegend gibt es auch so einige Bombenkrater. Netterweise haben die USA im Vietnamkrieg zwischen 1964 und 1973 ungefähr 2 Tonnen Bomben abgeworfen und das Land damit ziemlich verwüstet.

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Bewachsener Bombenkrater. Wirkt hier vielleicht nicht so, ist aber mit mehreren Metern Durchmesser riesig.

Es liegen im Land noch immer viele Blindgänger verstreut, welche noch heute Menschen verletzen oder sogar töten und meistens bei der Landarbeit aus Versehen angegraben werden. Es gibt Projekte, welche zum einen die Beseitigung der Blindgänger und zum anderen die Aufklärung der Bevölkerung zum Ziel haben. Kontinuierlich werden mehr und mehr Gebiete in mühevoller Kleinarbeit abgesucht und die Blindgänger kontrolliert gezündet, um die Gegend wieder sicher zu machen.

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Weiße Seite: Hier darf man gehen. Schwarze Seite: Lieber nicht.

MAG steht für „Mines Advisory Group“ und ist eine NGO, die sich um die Beseitigung der Blindgänger kümmert. Die Projekte werden durch diverse UN-Staaten und NGOs finanziert. Die USA beteiligen sich übrigens nicht. Weiterer Fun Fact: Bei gleichbleibendem Tempo der Säuberung dauert es noch ca. 100 Jahre, bis das gesamte Land wieder sicher ist.

Wir bleiben also auf den sicheren Wegen und tasten uns zu Fuß weiter durch Reisfelder voran, um die nächste archäologische Stätte zu erreichen.

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Ländlichkeit.
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Ich habe noch nie ein Kalb gesehen, was so debil aus der Wäsche schaut wie dieses hier.

Die Stätten 2 und 3 liegen eingebettet in Waldlichtungen auf kleineren Hügeln und wirken dadurch noch geheimnisvoller.

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Hört ihr die Waldgeister flüstern?
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Der Mann kann Karate.
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Noch mehr Steinkrüge.
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Wenn ein Baum so aussieht, dann muss man ihn auch erklimmen.
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Die Natur holt sich alles zurück.

Am Ende erfahren wir: Man vermutet, dass es sich bei den Krügen um Gräber handelt. Man vermutet ebenfalls, dass diese von einer ziemlich hochentwickelten Zivilisation stammen, welche keine anderen Probleme mehr hatte als ihre Toten in 6000 kg schweren Urnen zu bestatten.

Einen kleine Ausflug zur alten Hauptstadt der Provinz machen wir noch, so richtig viel ist allerdings nicht übrig geblieben.

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Erinnerung an alte Zeiten.

Dafür gibt es hier auch fast keine Touristen. Der einzige andere Besucher, ein Laote, möchte natürlich sofort ein Selfie mit Lennart. Er huscht schneller wieder weg, als dass ich zurück schießen kann.

Nach einem Tag brechen wir bereits wieder auf. Es ist wahnsinnig interessant, mal eine andere Seite von Laos zu entdecken, welche nicht mit den Bequemlichkeiten der Touri-Hochburgen ausgestattet ist und mit dichter Atmosphäre ganz anders auf uns wirkt.

Während der 8-stündigen Busfahrt im Minivan nach Vang Vieng wirken dann ganz andere dichte Dinge. Zuerst übergibt sich eine junge Frau leidenschaftlich, jedoch kontrolliert und auf Sauberkeit bedacht aus dem Fenster. Der Busfahrer fährt knallhart weiter, schließlich gibt es keine Zeit zu verlieren und der Bus ist von Innen auch noch gut in Schuss. Als das Mädel aussteigt und ein junger Mann auf ihrem Sitz Platz nimmt, nimmt das Unglück erneut seinen Lauf. Diesmal landet das Erbrochene in Form von Reisbrei nach einem Ausflug nach draußen zurück im Wagen, denn das Hinterfenster ist geöffnet. Der Busfahrer schimpft, die angegöbelte Frau auf dem Rücksitz säubert sich angewidert mit Wasser aus der Plastikflasche und der junge Mann schämt sich, unterdrückt jedoch mit geschlossenen Augen und verzweifeltem Gesichtsausdruck die nächste Portion.

In Vang Vieng angekommen klettert der Fahrer erstmal auf das Dach des Minivans und spült mit einem Schlauch das Potpourri auf der Außenseite des Wagens hinfort. Er lacht verlegen und sieht trotzdem nicht so aus, als würde er an seinem optimistischen Fahrstil etwas ändern wollen. Willkommen in Vang Vieng, wo Partyhölle und Naturparadies vereint auf jene warten, die sich trauen.

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