Luang Prabang, wir müssen reden.

Zermatscht, aber voller Vorfreude und Gespanntheit auf Laos verlassen wir den Nachtbus um 5 Uhr morgens in Luang Prabang. Es ist noch dunkel, alles schläft – außer ein paar findiger Tuktuk-Fahrer, welche uns für einen Freundschaftspreis in die Gegend der „günstigen“ Guesthouses bringen. Diese haben noch geschlossen, daher setzen wir uns mit unserem neuen Reisekumpanen Sam aus Kanada an einen Kaffeestand am Mekong. Wir trinken starken, süßen Lao-Kaffee und essen kleine frittierte Teigdinger und erfreuen uns des Lebens.

Irgendwann kommt dann sogar eine Reihe Mönche vorbei um Almosen zu kassieren, eine stille Zeremonie, für die Luang Prabang bekannt ist. Die Mönche biegen um die Ecke und laufen wie eine Entenfamilie hintereinander. Als die Reihe vorbeigezogen ist, rennen plötzlich ein paar windige Gestalten in Abenteurerhosen und -westen um die Ecke, Fotoapparate werden gezückt und es wird ordentlich geblitzt. Klingt ein bisschen nach Paparazzi, sind aber taktlose Touristen, die zu Hause hübsche Fotos von lustigen Mönchen vorzeigen wollen. Willkommen in Luang Prabang.

Nachdem wir uns so gegen 7 ein Zimmer gesucht und ein Nickerchen gemacht haben, laufen wir erst mittags los um die Stadt zu erkunden.

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Badespaß.

Luang Prabang besteht teilweise aus einer Halbinsel zwischen Mekong und dem Nebenfluss Nam Khan mit ein bisschen Ort drumrum und auf der anderen Seite des Nam Khan, ist insgesamt ziemlich winzig und gut zu Fuß zu belaufen. An sich ist es eine sehr hübsche Stadt, recht und links kann man Berge sehen, Palmen wiegen sich am Ufer des Mekong, kleine Terassengärten sind malerisch an beiden Flüssen angelegt. Die Stadt besteht aus zwei „Hauptstraßen“ und einigen Nebengässchen und ist vollgebaut mit schicker Kolonialarchitektur. Was außerdem das Stadtbild mehr als alles andere prägt: Touristen!

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Hübsche Häuschen, ein teures Café und Neokolonialismus.
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Eine niedliche Gasse. Rechts und links um die Ecken: Schweineteure Boutique-Hotels.

Luang Prabang hat einen internationalen Flughafen, ist Weltkulturerbe und wurde mehrfach von diversen Zeitschriften zum Top-Reiseziel der Welt erklärt. In das 45.000-Leute Städtchen fallen jedes Jahr 300.000 Touristen ein. Der Neokolonialismus ist eingekehrt, gut betuchte Franzosen sitzen in schicken Cafés und essen teure Croissants.

Es gibt natürlich diverse Tempel zu bestaunen, der coolste befindet sich auf dem Berg Phousi, hat einen Fußabdruck von Buddha am Start und einen prima Ausblick.

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Schon relativ schick hier.
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Panoramski.
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Auf dem Berglein.
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Es gibt auch eine Höhle mit ein paar durchgepeitscht dreinblickenden Figürchen.
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Ein fröhlicher Mensch, endlich neben seinem richtigen Buddha, dem Donnerstagsbuddha!
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Der Samstagsbuddha ist schon die coolste Sau von allen.
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Was ist hier eigentlich los?
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Kennt noch jemand die 100.000 Mark Show mit dem heißen Draht?
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Nice view, nice guy. Ein Hauch von Caspar David Friedrich.

Es gibt natürlich auch hier jede Menge Besucher, unter anderem auch wieder Fans von mir.

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Hier wurde ich nicht gefragt, sondern einfach am Arm gezogen und ein bisschen gezwungen. Trotzdem: Fotolächeln sitzt!

Die Frau auf dem Bild hält übrigens einen kleinen Käfig mit einem gefangenen Vogel in der Hand. Den kann man bei Vogelverkäufern unten an der Treppe kaufen und lässt den Vogel oben auf dem Berg frei, for good luck. Was für eine beschissene Praxis.

Die meisten Leute kommen zum Sonnenuntergang auf den Berg Phousi, um sich um den besten Platz für Fotos zu kloppen. Wir bevorzugen ein Plätzchen am Mekong.

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Kitschmodus: 1000.

Am nächsten Tag ist Weltfrauentag!

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Diesen nimmt man hierzulande sehr ernst!

Auch am Weltfrauentag machen Naturwunder keine Pausen, also besorgen wir uns mal wieder einen Roller und fahren zu den nahgelegenen Wasserfällen Kuang Si. Astreiner Platz, jedoch auch hier wieder: Touristen ohne Ende.

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Vorplatz mit Nippes, Fressbuden und Menschen!
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Eingang mit Menschen!
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Auch der Bär hat keinen Bock mehr auf Touristen. Was hier übrigens sehr gut ist: Dem Wasserfall angeschlossen ist eine Auffangstation für Bären, die aus der Tanzbärszene befreit wurden.

Die Wasserfälle selber sind der absolute Wahnsinn. Türkisblau, klar und wunderschön. Auch hier wieder: Applaus für die Natur! Man kann es den Menschenmassen nicht verübeln, dass sie sich dieses Schauspiel geben wollen.

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Eine Grazie posiert meerjungfrauenhaft für die Kamera.
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Wasserfall und super Licht.
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Märchenhaftigkeit.
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Fröhliche Menschen.

Man muss sich nur zu helfen wissen: Was tut man, wenn es vor Reiserentnern wimmelt und man entkommen möchte? Richtig, man sucht sich einen Ort, den man nur unter Einsatz einer gewissen körperlichen Anstrengung erreichen kann. Wir kraxeln also einen steilen, steinigen und rutschigen Pfad hinter dem Wasserfall hoch, um an dessen Ursprung zu gelangen.

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Nette Menschen haben auch über dem Wasserfall ein paar Brücken gebaut.
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Nice view und ein steil abfallender Wasserfall.
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Kleines Panorama.

Am nächsten Tag erkunden wir ein bisschen weiter, es ist ja zum Glück der erlebnishungrigen Besucher nicht mehr Weltfrauentag.

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Ein fröhlicher Mensch auf einer Bambusbrücke. Diese wird jedes Jahr zur Trockenzeit neu aufgebaut, weil in der Regenzeit der Fluss die Brücke wegreißen würden.
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Man weiß hier was gut ist.
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Auch hier weiß man noch was gut ist.
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Der wunderschönste Tempelwächter, den ich je betrachten durfte.
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Ein bisschen Glitzer.
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Tempel und hübsche Bäumlein.
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Diese Buddhas stehen in laotischer Spezialpose herum und rufen den Regen.
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Nein, du nicht.
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Ausverkauf.

Leider sieht man an den wenigen Häusern in Luang Prabang, die nicht Guesthouses oder Restaurants oder sonstige Tourietablissements sind, immer wieder solche Schilder. Zu verkaufen, zu vermieten, alle wollen sich die Kohle einsacken und hauen ab. In einem Restaurant wird in der Speisekarte um Geduld und Verständnis gebeten, falls es mit der Bestellung etwas dauert. Man habe zu wenig Personal in Luang Prabang.

Ja, es ist schon irgendwie lächerlich, sich als Tourist über Touristen zu beschweren. Ich habe überhaupt nichts dagegen, wenn die Wege, die ich gehe, bereits von Anderen zuvor bereist wurden. Im Gegenteil, ich freue mich über Annehmlichkeiten, welche sonst nicht im Angebot wären. Es ist super, dass ich meine Wäsche abgeben und am nächsten Tag fluffig-frisch abholen kann, dass es Busverbindungen zwischen Orten gibt, die für Einheimische eigentlich überhaupt nicht interessant sind und dass westliche Toiletten in manchen Ländern Südostasiens fast schon zum Standard gehören. Ich finde es allerdings wahnsinnig schade, wenn ein Ort durch die Massen an Touristen zum Freilichtmuseum ohne Atmosphäre verkommt und man nur noch erahnen kann, wie schön er einmal war. Die meisten beliebten Traveller-Orte, die ich bisher besuchen durfte, haben sich meiner Meinung nach eine gute Balance zwischen eigenem Charakter und der Profilierung als Reiseziel erhalten. Leider nicht so Luang Prabang, der Ort ist für mich umgekippt wie ein fettiger Kartoffelsalat an einem heißen Sommertag.

Es war natürlich trotzdem sehr schön, es gibt viel zu sehen und wenn man sucht, findet man viele schöne Plätze und Momente. Ich muss allerdings sagen: Wieder komme ich nicht. Auf geht es nach Phonsavan!

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