Die kurze Story von Chiang Rai und Phu Chi Fah.

… oder auch nicht. Ursprünglicher Plan: Von Chiang Mai nach Chiang Rai fahren, eine Nacht bleiben, anschließend mit dem Bus nach Puh Chi Fah und zurück, anschließend weiter nach Laos.

Phu Chi Fah soll einer dieser magischen Orte sein, welcher noch von wenigen Touristen besucht wird und ein einmaliges Erlebnis bietet. Eine Reisebekanntschaft schwärmte uns in höchsten Tönen davon vor: Es ist ein hoher Berg an der Grenze zu Laos und bietet eine wahnsinnige Aussicht, da der Berg am höchsten Punkt steil nach unten abfällt, außerdem den allerschönsten Sonnenaufgang in ganz Nordthailand. Wir denken uns: Liegt eh fast auf dem Weg, hin da! Nach ein bisschen Recherche ist auch das wie geklärt, drei Stunden Busfahrt von Chiang Rai und im Dorf nach einer Bleibe fragen (Buchung im Internet oder Tipps im Reiseführer gibt es nicht).

Wir kommen also gegen 13 Uhr in Chiang Mai an und machen uns die Weiterreise am gleichen Tag klar, weitere drei Stunden mit dem Bus (drei Stunden Busfahrt ist irgendwie die magische Entfernung hier in der Gegend). Während der Fahrt blättere ich noch etwas im Reiseführer, und hier folgt die Ernüchterung: Die Busse nach Phu Chi Fah verkehren nur von November bis Februar. Wir sind also fünf lächerliche Tage zu spät! Ich weigere mich das zu glauben und nehme mir vor mich im Ort nochmal zu erkundigen.

Wir kommen in Chiang Rai an, der Busbahnhof liegt in der Mitte des Ortes, welcher ziemlich grau und schmuddelig anmaßt (nicht der Busbahnhof, die sehen alle so aus, sondern der Ort). Auf der Suche nach einer Bleibe laufen wir etwas umher und durchqueren eine Straße, aus deren Bars verdächtiges rotes Licht zu erspähen ist und ein paar Ladies rumlungern, welche uns mit Nachdruck eine Massage verpassen wollen. Im Guesthouse angekommen manifestiert sich die Enttäuschung: Phu Chi Fah ist mit öffentlichen Bussen tatsächlich nicht mehr zu erreichen. Manche Reisebüros bieten privat gecharterte Ausflüge an, diese sind uns jedoch zu teuer. Phu Chi Farce!

So viel zu tun gibt es in Chiang Rai dann auch nicht mehr an diesem Abend. Weil Samstag ist gibt es einen Nachtmarkt, unsere Guesthouse-Besitzerin erzählt uns, dass dieser DAS Ereignis in Chiang Rai ist und alle Bewohner zum gucken kommen, aber eh nichts kaufen. Was tut man, wenn man den Nachtmarkt besucht? Richtig, Nudeln essen. Hier das einzige Foto aus Chiang Rai:

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Die leicht enttäuschte Autorin beim Nudeln verspeisen, dilettantisch mit dem Handy aufgenommen.

Egal, Chiang Rai liegt eh auf unserem Weg nach Laos. Weil wir nicht so gute Geschichten über die zweitägige Bootsfahrt nach Luang Prabang gehört haben und der Nachtbus außerdem billiger ist, begeben wir uns am nächsten Tag zum Busbahnhof 2. Und man muss auch mal Glück haben: Der Bus nach Luang Prabang fährt alle zwei Tage, und heute tut er es zufällig. Zwei Plätze gibt es auch noch.

Nach etwas Warterei und Nudelsuppe steigen wir ein, neben Touristen und ihren übergroßen Rucksäcken (Anfänger!), dazu Reissäcke, lebendige Hühner und sonstigen Riesenkisten unbekannten Inhalts werden verladen. Die Stimmung ist prima.

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Glück gehabt.
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Unser liebenswerter Bus. Rechts: Anfänger mit Rollkoffer.
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Die Autorin genießt den im Preis inbegriffenen Cranberrysaft. Soll ja auch gut für die Nieren sein.

Auf dem Weg zur laotischen Grenze dann ein kurzer Schock: Es kommt satter, grauer Rauch aus dem hinteren Ende des Busses. Der Bus bleibt stehen, Busfahrer sagt kurz und trocken „Accident.“, alle müssen aussteigen und gehen erstmal pinkeln. Die Motorhaube, welche sich beim Bus hinten befindet, wird geöffnet und fachmännisch vom Busfahrer und ein paar mitfahrenden Thais/ Laoten beäugt. Plötzlich hat der Fahrer eine Machete (!!!) in der Hand und schlägt zweimal beherzt in das Innenleben des Motorraums – ZACK! ZACK! Er greift hinein und zieht zwei Schläuche raus, pfeffert diese neben sich auf den Boden und lässt alle zu verstehen, dass es jetzt weiter geht. Irritiert steigen wir wieder ein.

Im Bus wird es immer heißer und heißer und wir sind froh, als wir an der Grenze aussteigen und die frische Luft genießen dürfen. Kurz auf der thailändischen Seite ausreisen, dann auf der laotischen Seite einreisen. Angeblich benötigt man 30 $ und ein Passbild für ein Laos-Visum – ham wa nich. Aber in Asien lassen sich die Dinge immer irgendwie regeln und wir spazieren voller Vertrauen zum Schalter. So auch hier: Wir bezahlen in Baht, der Mitarbeiter macht für 40 Extra-Baht eine Kopie vom Reisepass und bald haben wir den Visa-Aufkleber in ebenjenem.

Nach der Grenzkontrolle bleibt der Bus noch eine Weile stehen. Was ist da los? Von einem thailändischen Passagier erfahren wir, dass die beiden entfernten Schläuche zur Klimaanlage gehörten, welche die Rauchproblematik verursacht hat. Deshalb wurde es nach der Machetenaktion auch so heiß im Bus! Der Busfahrer hat nun beschlossen bis zum Sonnenuntergang zu warten, damit es bei der Weiterfahrt etwas kühler wird. Klingt okay.

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Warten an der Grenze.

In der Dämmerung fährt der Bus also durch die überraschend grüne Landschaft – in Thailand sah es bereits trockener aus. Als die Nacht einbricht fahren wir durch die schwarze Dunkelheit – es gibt am Wegesrand keine Laternen oder sonstige Lichtquellen. Der Fahrer weiß wohl, was er tut, und ich begebe mich mit Hilfe der zweiten gelben Pille ins Land der Träume. Next stop – Luang Prabang!

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