Dreh den Shwe auf.

Der VIP-Bus von Inle (VIP-Bus = mehr Platz für die Beine und gratis Kekse) staubt in den Busbahnhof von Yangon hinein. Wie immer von Taxifahrer umgarnt fischen wir unser Gepäck aus dem Kofferraum.

Yangon hat ein eher ungewöhnliches System um den Fahrpreis eines Taxis festzulegen, nämlich gar keins. Es gibt kein Taxameter oder keine Preistabellen wie mancherorts in Indien, sondern man handelt den Preis im Vorfeld mit dem Taxifahrer aus. Da kann man ja nur verlieren, denkt ihr euch? Richtig. Egal, lächeln, handeln, lächeln, weiter drücken, Taxi mit einem anderen Reisenden teilen.

Unser Guesthouse liegt in der Nähe des Fernbahnhofs und liegt in der Downtown von Yangon mit vielen hübschen Kolonialbauten, Streetfood-Ständen und Nippes- und Nichtnippesverkäufern. Die Locals sind eine bunte Mischung aus Burmesen, Angehörigen diversen ethnischer Minderheiten, Nepalesen und Inder, dazwischen hier und da ein paar Reisende. Man wird weniger angestarrt.

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Ein fröhlicher Mensch beim Trinken eines Zuckerrohrsafts.

Den Zuckerrohrsaft gibt es an kleinen Ständen zu erwerben, dort werden Zuckerrohre in antik aussehenden Pressvorrichtungen zwischen zwei Metallrädern zermalmt und mit Limettensaft zu dieser Köstlichkeit veredelt. An die Räder werden lustige Glöckchen befestigt, damit man auch sofort Bescheid weiß.

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Alles, was man so braucht: Frisuren, Popcorn, Schuhe, fröhliche Menschen.

Eine traurige Nachricht für Lennart und mich: Motorroller sind in Yangon verboten, so verbringen wir unseren ersten Abend damit herumzuspazieren und uns bis zum Hafen treiben zu lassen.

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Bunte, leicht abgeranzte Kolonialarchitektur.
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Same.
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Die myanmarische Flagge sieht der litauischen so erfreulich ähnlich, bloß mit Stern.
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Hafen.
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Mehr Hafen.

Am nächsten Tag versuchen Lennart und ich mit dem Zug zu fahren. Es gibt in Yangon eine Circle Line, welche immer im Kreis fährt und in drei Stunden die Stadt umrundet. Das soll angeblich ziemlich spannend sein, weil man sich ein bisschen das Umfeld und das Leben Yangons anschauen kann, und das in gemütlich und für nur 200 Kyat. Wir steigen am ziemlich indisch anmutenden Bahnhof ein und blicken durch schmutzverschmierte Scheiben auf endlose Gleise, die vorbeiziehen. Keiner der anderen Mitfahrer sieht besonders enthusiastisch aus, es ist brüllend heiß und man könnte neben der Bahn herlaufen – wir steigen also lieber wieder aus.

Wir brauchen etwas Spaß zum Ausgleich. Was macht man da, wenn man sich gerade in Yangon befindet? Richtig, man geht in den People’s Park!

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Ein fröhlicher Mensch vor dem Eingang.

Der People’s Park ist eine Mischung aus Vergnügungspark, botanischem Erholungsgebiet, Picknickwiese und heimlicher Treffpunkt für verliebte Teenager. Da Sonntag ist, ist tierisch viel los, Familien picknicken oder lassen die Kinder in abgehalfterten Fahrgeschäften vor Freude herumkreischen, Gruppen von Halbstarken versammeln sich, um sich gegenseitig anzuhimmeln und es gibt sogar einen Fanta-Stand mit als Fantaflaschen verkleideten tanzenden Menschen. Von der Stimmung mitgerissen, kommt meine asiatische Seite plötzlich zum Vorschein.

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Ich liebe Gemüse!

Nach diesem Fest brauchen wir ein bisschen Feierlichkeit und pilgern weiter zur Shwedagon-Pagode. Der aufmerksame Leser weiß hier: Es muss sich um etwas Goldenes handeln.

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Das linke, weiter entfernte Bauwerk = Shwedagon.

Tatsächlich reden wir hier von 60 Tonnen Gold. SECHZIG Tonnen!

Diverse Herrscher, Herrscherinnen und sonstige großzügige Zeitgenossen haben im Laufe der Jahrhunderte bevorzugt ihr Körpergewicht in Gold gespendet, um die Shwedagon-Pagode zu verzieren. Außerdem beherbergt diese 8 Haare von Buddha als heilige Reliquien. Na, wenn das nichts ist.

Um die Shwedagon-Pagode herum befindet sich ein ganzer Tempelkomplex mit allerlei Gelegenheiten um zu beten oder sich auf sonstige Art und Weise eine Portion gutes Karma klarzumachen. Die Stimmung ist sehr festlich, ganze Familien, Gruppen von Freunden (bestimmt waren die alle vorher im People’s Park!), Mönche und ein paar Touristen sind gekommen. Lennart und ich laufen herum und schauen uns das Spektakel an. Wunderschön ist es aber auch dazusitzen, dem Singsang der Betenden zu lauschen und den Duft von Räucherstäbchen zu atmen.

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Mehr Shwe und schicke Menschen.
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Eine Gruppe Betender, welche ganz wunderbar sang.
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Bisschen arbeiten, bisschen schlendern, bisschen auschecken, bisschen beten.
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Also diese Gang sieht doch so aus, als würde sie etwas im Schilde führen.
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Friday Corner.

In Myanmar hat es von großer Bedeutung, an welchem Wochentag man geboren wurde (Mittwoch zählt übrigens als zwei Tage, Mittwochmorgen bis mittags und Mittwochnachmittag). Der Vorname, den man nach der Geburt verpasst bekommt, ist vom Wochentag abhängig, man darf je nach Wochentag auch nicht alle Vornamen verwenden. Außerdem kann man sich gutes Karma verdienen, wenn man in bestimmte Boxen spendet, die für die einzelnen Wochentage eingeteilt sind, und man kann in manchen Tempeln – wie hier auf dem Bild – Buddhafiguren waschen, welche den einzelnen Wochentagen gewidmet sind. Je nach Wochentag bekommt man auch ein spirituelles Tier zugeteilt. Da ich an einem Freitag geboren bin, ist mein Tier das Meerschweinchen. Lennart hat gemäß Donnerstag die Ratte. Mir ist durchaus bewusst, dass es glamourösere spirituelle Tiere gibt als das Meerschweinchen.

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Partnerlook.

Die beiden Dudes wollten unbedingt ein Foto mit Lennart haben, wahrscheinlich hat ihnen die Farbe seines Shirts gefallen. Natürlich habe auch ich es mir nicht nehmen lassen.

Ich weiß nicht, was mit den Leuten in Myanmar los ist, aber sie versuchen stets auf Fotos sehr ernst dreinzublicken. Die beiden Mönche haben sich vor dem Fotografieren und danach kaputtgelacht wie sonst was, aber auf dem Bild selbst – keine Miene.

Ein bisschen verzaubert gehen wir heim.

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Yangon.
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Dieser Typ weiß sowas von Bescheid.

Und noch etwas Wundersames passiert in Yangon: Ich finde ein Myanmar-Essen, was schmeckt. Also ich meine, was wirklich wirklich GUT schmeckt, sehr gut sogar, und nicht so lala, ich kann es essen ohne zu würgen.

Ich präsentiere: Shan-Nudeln!

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Die Autorin beim Schmaus.

Shan-Nudeln können wahlweise kalt als Salat oder als Nudelsuppe gegessen werden. Dazu kommen Erdnüsse, Limette, Frühlingszwiebeln, Koriander, Chili und eine süßlich-saure Sauce. Wahnsinnig gut! Nachdem ich die Shan-Nudeln im 999 Noodles Shop entdeckte (Abendessen), aß ich sie zu den nächsten beiden Mahlzeiten erneut. Danach fuhren wir leider wieder ab.

Myanmar, es war sehr schön mit Dir. Wir erklommen grüne Berge und staubige Pisten, betraten glitzernde Paläste und verfallene Ruinen, lernten großartige schon immer Dagewesene, Zugezogene und Reisende kennen und probierten wundersame Speisen.

Jetzt fahren wir nach Thailand.

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Ein Gedanke zu “Dreh den Shwe auf.

  1. Hello, hier schreibt Nilo. Ich habe eure Seite von Sarah und Jan empfohlen bekommen. Sehr sehr schöne Fotos habt ihr hier! Nur schade, dass euch die Fahrt mit der Ringbahn nicht so zugesagt hat. Das fand ich super.
    Witzig übrigens, dass wir auf unseren bisherigen Reisen ganz ähnliche Orte angesteuert haben. Ich versuche gerade, eine ältere Südostasienreise in meinem Blog unterzukriegen, aber bislang ist nur ein Eintrag über Yangon herausgekommen: http://www.allerorts.de/blog/6-gruende-fuer-yangon …ist schon ein ganz schön zeitintensives Hobby ^^

    Liebe Grüße aus dem Süden Hamburgs

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