Prima Tempel und mehr in Bagan.

Okay Leute, jetzt wird ein Klischee rausgehauen: Wahrscheinlich ist nur an wenigen Orten auf der Welt ein Sonnenaufgang schöner als in Bagan.

Wir haben hier ein 40 km2 großes Areal mit ungefähr 3400 Tempeln, Pagoden, Stupas (Stupas? Stupen?) und allerlei anderen religiösen Bauwerken, welche von vor dem 10.  Jahrhundert bis heute errichtet wurden. Dazwischen wächst allerlei Kruppzeug und es gibt einige wenige Wege (die meisten enge dirt roads), welche man befahren kann. Okay, und zwei richtige Straßen für die Gruppenbusse. Auf viele der Tempel kann man draufklettern und hat eine astreine Sicht auf das Gelände. Das sieht dann ungefähr so aus:

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Ich will nicht allzu viel vorwegnehmen, die wirklich guten Bilder von Lennart kommen noch.
Bagan ist beliebt bei allerlei Touristen und Locals, die auf sehr unterschiedliche Art und Weise die Tempel erkunden. Heißt: Riesenbusse voller Koreaner und Chinesen, welche die Hotspots abklappern und mit ihren möglichst teuren Kameras möglichst viele Bilder schießen, Rucksackreisende, welche mit geliehenen Fahrrädern durch die Gegend fahren und möglichst abgelegene Tempel suchen und burmesische Familien, die im Familienschlitten anreisen und die Bauten mit religiösen Absichten besuchen.
Sehr beliebt sind bei den ersten beiden Gruppen Sonnenauf- und untergänge, natürlich mit Kameras im Schlepptau.
Ein bisschen Shwe darf auch nicht fehlen, ist hier aber eher die Ausnahme:
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Goldene Zeiten.
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Alle schick machen, heute Klassenfoto!
Wie man das in Bagan eben so macht besorgten Lennart und ich uns ein E-Bike und fuhren durch die Gegend. E-Bikes sehen in diesem Fall aus wie Motorroller, laufen aber mit Strom und haben wesentlich weniger Power als ihre luftverpestenden großen Brüder, sind allerdings auch angenehm leise.
Und so kam es, dass Lennart und ich nach einem Tag voller Tempelguckerei nachmittags eher zufällig auf der Shwesandaw-Stupa landeten. Die Aussicht war prima und wir entschieden, es uns noch eine Stunde in luftigen Höhen gemütlich zu machen und auf den Sonnenuntergang zu warten. Dazu platzierten wir uns auf zwei Eckpfeilern der Stupabrüstung und ließen die Beine baumeln. Zu diesem Zeitpunkt war uns nicht bewusst, dass der Shwesandaw so ungefähr der beliebteste Tempel für Sonnenuntergänge ist und so füllte sich der 360°-Balkon immer mehr. Manche Leute schleppten sogar ihre 10 kg-Stative hoch, um noch großartigere Bilder zu machen als so schon. Das sah dann irgendwann so aus:
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Oha.
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Zwei fröhliche Menschen und gutes Licht.
Der Sonnenuntergang war irgendwie weniger spektakulär als erwartet, ich hatte mir ein Himmelmeer aus orange, rot, violett und gelb vorgestellt, das Spektakel war trotzdem sehr spaßig zu betrachten. Als die Sonne verschwunden war, fingen die Leute an zu klatschen und zu jubeln. Die Natur bekommt viel zu wenig Applaus für ihre Wunder.
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Danke!
Beim Abendessen im wunderbaren Wheater Spoon’s (welches wir insgesamt vier mal in drei Tagen besuchten; Essen: thailändisch) lernten wir Antonia und Neil kennen, zwei Englischlehrer aus Großbritannien, welche seit etwas mehr als einem Jahr in Myanmar leben und im Rahmen eines staatlichen Hilfsprojekts burmesische Lehrer unterrichten. Die beiden hatten außerdem noch zwei Freunde zu Besuch. Wir genehmigten uns gemeinsam ein paar Myanmar Mules (welche dank der unglaublich guten Limetten in Myanmar noch fantastischer schmeckten als der kleine Bruder in Deutschland) und beschlossen Freunde zu werden.
Am nächsten Tag besorgten die beiden also einen Fahrer und wir machten uns zu sechst auf den Weg zu Mount Popa, welcher ein 1518 m hoher erloschener Vulkan ist. Mittlerweile ist dort viel grün gewachsen und auf einem der Gipfel befindet sich – was auch sonst – ein Tempel.
Diesen erklommen wir voller Freude und hatten Spaß an Aussicht, Katzen und lustigen Affen, welche versuchen alles Ess- und Trinkbare zu stehlen, was nicht niet- und nagelfest ist.
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Klare Instruktionen.

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Es ist nicht das, wonach es aussieht!
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Tempelgemütlichkeit.
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Halte deinen Tempel sauber, Teil 2.
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Diese Tempelkatze lebt auf dem Gipfel im Tempel und hat dort kleine Babykatzen zur Welt gebracht. Nicht im Bild, weil die Welt so viel Niedlichkeit nicht ertragen könnte.
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Ganz ehrlich, ich habe keine Ahnung was hier abgeht.
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Alles Gute für dich!
Auf dem Weg dorthin besuchten wir außerdem so etwas wie ein Freilichtmuseum, wo Menschen allerlei traditionelle Köstlichkeiten herstellten und man Thanaka probieren konnte. Habe ich natürlich gemacht. Auch gemacht: Betelnusskauen ausprobiert! Es kaut sich etwas holzig und schmeckt nach Seife, außerdem fängt man an zu speicheln wie bekloppt und muss sofort herumspucken – natürlich rote Brühe. Ich habe nichts gemerkt, sah aber nach Fremdaussagen sehr burmesisch dabei aus.
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Ein fröhlicher Mensch betrachtet eine Reisschnapsfermentation.
Ach, und wir haben unseren Schwur gebrochen uns von burmesischen Speisen fernzuhalten und haben erneut Teeblättersalat ausprobiert. Antonia überzeugte uns, dass wir mit unserer letzten Erfahrung bestimmt bloß Pech hatten und ich muss sagen, recht hat sie!
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Köstlicher Teeblättersalat zum selbst mischen.
Sieht das nicht fabelhaft aus? Man könnte sagen, wir sind nun rehabilitiert.
So, nach der ganzen Mount Popa Action kamen wir dann zum wirklich interessanten Teil: Wir durften mitkommen, als Antonia und Neil eine Schülerin der beiden besuchten, welche in einem Dorf in der Nähe von Bagan wohnt. Ich kann bloß sagen: Wer noch nie in Myanmar war, der weiß nicht, was Gastfreundschaft bedeutet.
Die Schülerin (Schande über mein Haupt, ich habe den Namen vergessen) holte uns von der Hauptstraße ab und führte uns zu ihrem Haus. Ihre Familie hat einen ziemlich schönen Garten und ein Haus aus schönem dunklen Teakholz mit eher wenigen, aber sehr großen Zimmern. Dort durften wir uns alle auf dem Boden um den runden Familientisch versammeln, und bekamen allerlei Köstlichkeiten aufgetischt. Die Schülerin führte uns ihren Mann, ihre Eltern, Schwiegereltern und ihre Nichten und Neffen vor, welche allesamt gut darauf aufpassten, dass wir auch genug aßen.
Anschließend nahm sie uns zu einer Ordinationszeremonie mit, welche in einem großen Festzelt im Dorf stattfand und durch die übersteuerte, voll aufgedrehte Anlage nicht zu überhören war. Die Zeremonie wurde für Jungs ab einem Alter von 4 – 5 Jahren veranstaltet, welche danach für ein paar Tage ins Kloster müssen und an diesem Tag weiße Glitzeranzüge trugen und grün und blau im Gesicht angemalt waren.
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Was ist hier eigentlich los?
Der Typ in der Mitte mit dem lustigen Hut singsangte irgendwelche Sprüche, die Kids (mittig-rechts) mussten sich abwechseln nach vorne und nach hinten zu ihren dort sitzenden Müttern verneigen. Der Hutmann startete die Verneigungen und das Orchester (links im Bild) spielte währenddessen lustige Musik. Es klang ein wenig dissonant, wie wenn jemand zum ersten Mal ein Keyboard ausprobiert und in den höchsten Tonlagen darauf eindrischt. Anschließend sang und tanzte die hübsche junge Frau im pinken Glitzerkleid (links vom Hutmann auf dem Bild) und danach war der Hutmann wieder dran. Ich muss zugeben, dass ich die Prozedur nicht so richtig durchdringen konnte.
Als wir hier fertig waren, nahm die Schülerin uns mit zum Wein-, Blumen- und Obstgut ihrer Familie. Hier wartete mal wieder ein prall gedeckter Tisch für uns und wir plauderten ein wenig. Am Ende bekamen wir noch drei Papayas und zwei Säcke Guaven geschenkt. Diese verrückten Burmesen.
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Unsere Supertruppe im Garten. Die Dame in pink ist unsere Gastgeberin.
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Eine Papaya von der Größe eines Neugeborenes.
Der letzte Tag:
Okay, wenn man Bagan besucht, dann muss man sich eigentlich auch an mindestens einem Morgen früh aus dem Bett quälen, um sich einen Sonnenaufgang reinzuziehen. Dies taten wir am nächsten Tag um 5 – in Worten: FÜNF – Uhr.
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Zwei furchtlose Abenteurer voller Tatendrang.
Wir besorgten uns wieder ein E-Bike und fuhren raus in die Dunkelheit, diesmal zu einem etwas weniger beliebten Tempel. Wir kletterten nach oben und wähnten uns bereits ungestört, die Stimmung war erwartungsgeschwängert und sogar ein bisschen romantisch. Na ja, aber was ist eine Sehenswürdigkeit ohne chinesische Touristen? Kurz nach uns fanden sich drei chinesische Damen ein, die nach ihrer Ankunft unentwegt ihren Rotz hochzogen als gäbe es keinen Morgen. Wie ein so zart aussehender kleiner Mensch so laute rasselnde Geräusche aus Nase und Rachen produzieren kann wie ein verschnupfter Matrose ist mir wahrlich ein Rätsel.
Nach und nach versammelten sich ein paar Leute mehr, insgesamt aber nur ungefähr so 20. Bald ließen sich die ersten zarten Sonnenstrahlen des Tages erahnen und dann wurde es immer heller und bunter, und natürlich fuhren dann auch die Ballons los!
Auch hier wieder: Magie.
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Ein engagierter Fotograf scheut keine Kletterpartie!
Anschließend: Frühstück und Nickerchen. Weil wir vor unserer Abfahrt noch ein paar Stunden Tag und ein E-Bike übrig hatten, zogen wir nochmal los und schauten uns ein paar Tempel im Süden an. Nachmittagsessen mit den Engländern, dann Abfahrt.
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Tempelbesuche machen hungrig und durstig.
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Okay, ich gebe es zu. Die Leiter hätte ich nicht gebraucht, um meine Spende im Topf zu platzieren.
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Get money, whoaaa.

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Außerdem ließ sich ein mutiger Mensch einen echten Myanmar-Haarschnitt für 2000 Kyat (weniger als 1,50 €) verpassen und war sehr zufrieden:
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Prima gepflegt.
Wir wären gerne noch länger hier geblieben, wenn wir nicht den Trek in Kalaw vereinbart hätten. So heißt es nun: 19 Uhr, Abfahrt Nachtbus nach Kalaw!
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